Apherese in der klinischen Anwendung


Die H.E.L.P.-Apherese (Heparin-induzierte extrakorporale LDL/Fibrinogen-Präzipitation) ist ein etabliertes therapeutisches Verfahren, das seit fast vier Jahrzehnten klinisch eingesetzt wird. Ursprünglich wurde es zur Behandlung schwerer Fettstoffwechselstörungen entwickelt und ist in Deutschland derzeit für spezifische Indikationen wie therapieresistente Hypercholesterinämie und Hyperlipoproteinämie zugelassen.

Die Methode wird – nach sorgfältiger medizinischer Bewertung – auch bei Patientinnen und Patienten mit komplexen entzündlichen und zirkulatorischen Symptomen angewendet, einschließlich solcher im Zusammenhang mit Long COVID und ME/CFS.


Anwendungsfokus bei Long COVID und ME/CFS


Dr. Beate Jaeger setzt die H.E.L.P.-Apherese im Kontext von Long COVID und ME/CFS auf Grundlage individueller diagnostischer Befunde und des klinischen Bedarfs ein. Ziel der Therapie ist es, zirkulierende Faktoren zu reduzieren, die möglicherweise zu Entzündungen und mikroangiopathischen Veränderungen beitragen.


Bei Long-COVID-Patienten weisen klinische Befunde häufig auf eine gestörte Gerinnungsregulation und Endothelfunktion hin. Die H.E.L.P.-Apherese verwendet unfraktioniertes Heparin, um Plasmabestandteile wie Fibrinogen und möglicherweise zirkulierende Spike-Protein-Fragmente zu binden. Dieser Prozess kann zur Reduktion von Mikrothromben und zur Verbesserung der Blutfließeigenschaften beitragen. Gleichzeitig zielt er darauf ab, die Konzentration entzündlicher Marker wie C-reaktives Protein und ausgewählter Zytokine zu senken – abhängig von der individuellen Reaktion. Diese Mechanismen befinden sich weiterhin in klinischer Beobachtung und Forschung. Die Behandlung erfolgt nach etablierten Protokollen und unter kontinuierlicher ärztlicher Aufsicht.


Bei ausgewählten Patientinnen und Patienten wurde beobachtet, dass sich durch die H.E.L.P.-Apherese Durchblutungsparameter verbessern, die den Sauerstoffaustausch in der Mikrozirkulation beeinflussen können – auch in Organen wie Herz, Gehirn und Lunge. Das Verfahren gilt als gut verträglich und beeinflusst nach derzeitigem Kenntnisstand weder schützende Antikörper noch Leukozyten oder Thrombozyten signifikant. Unter medizinisch angemessener Indikation kann die H.E.L.P.-Apherese Bestandteil eines individuellen therapeutischen Gesamtkonzepts sein, um Patientinnen und Patienten mit komplexen Symptomen im Rahmen von Long COVID oder ME/CFS zu unterstützen.